Expertenchat: Aids und andere sexuell übertragbare Krankheiten
Seit 1988 wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der 1. Dezember als Weltaidstag ausgerufen. In Industrienationen wie Deutschland nahm das Problembewusstsein für HIV und Aids in den letzten Jahren zunehmend ab, dem gegenüber steht eine steigende Zahl von Neuinfektionen. Auch für andere sexuell übertragbare Erkrankungen wird eine zum Teil erhebliche Zunahme verzeichnet. Wie man sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen kann und welche Therapien heute zur Verfügung stehen, ist Thema unseres Expertenchats.
Der Begriff "sexuell übertragbare Krankheiten" umfasst alle Erkrankungen, die durch die Übertragung von Erregern (zumeist Bakterien oder Viren, seltener Pilze und Parasiten) im Rahmen von Sexualkontakten entstehen können. Sämtlichen Krankheiten gemeinsam ist, dass eine Übertragung hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr erfolgt, aber auch auf anderen Wegen möglich ist.
Die meisten sexuell übertragbaren Krankheiten sind heute heilbar. Gegen einige stehen vorbeugend auch Impfungen zur Verfügung. Beides trifft jedoch nicht auf die HIV-Infektion zu. Trotz beachtlicher medizinischer Fortschritte der letzten Jahre sind weder Impfung noch Heilung möglich, so dass Vorbeugung und Risikovermeidung weiterhin von größter Bedeutung sind.
Zahl der Infektionen steigt weiter an
Nach Erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts leben in Deutschland knapp 50.000 Menschen mit einer HIV-Infektion. Wenngleich die Prävalenz (pro 10.000 Einwohner gibt es zur Zeit etwa sechs Infizierte) im weltweiten Vergleich eher niedrig ist, gibt ein steigender Trend der Neuinfektionen Anlass zur Sorge. Experten sehen den Grund dafür in wachsender Sorglosigkeit - immer mehr Menschen sehen HIV als kalkulierbares Risiko an, das nur ein Problem von Randgruppen oder in fernen Ländern ist. Oder sie gehen fälschlicherweise von einer Heilbarkeit der Infektion aus.
Nicht weniger beunruhigend ist die Zunahme sexuell übertragbarer Krankheiten, die in der Bevölkerung als eher historisches oder zumindest subjektiv fernes Phänomen und irrtümlich als heute so gut wie "ausgestorben" angesehen werden. Zu diesen Erkrankungen zählen Syphilis, Chlamydien und Herpes geitalis.
Wer hilft weiter?
Die Beratungsstellen der Aidshilfen sind Ansprechpartner für alle Fragen rund um HIV, Aids und andere sexuell übertragbare Krankheiten. In vielen Städten bieten auch Gesundheitsämter und Kliniken Spezialsprechstunden für sexuell übertragbare Krankheiten. Die Beratung kann auf Wunsch anonym erfolgen und ist kostenfrei.
Bei konkretem Verdacht einer Ansteckung sollte man nicht zögern, eine Arztpraxis des Vertrauens aufzusuchen (z.B. Praxen mit Schwerpunkt Haut- und Geschlechtskrankheiten oder urologische bzw. gynäkologische Praxen), um sich (und ggf. der Partnerin/dem Partner) Klarheit zu verschaffen und frühzeitig eine Therapie einleiten zu können.
Besuchen Sie unseren Expertenchat am 5. Dezember 2006 ab 20:00 Uhr.
