Hodenkrebs: Ich habe die Symptome unterschätzt
Wenn sich Rudi L., 32 Jahre, heute an den Juni 2004 zurückerinnert, fallen ihm als Erstes die starken Schmerzen ein. "Körperlich ging es mir im Großen und Ganzen ganz gut - bis auf die Rückenschmerzen. Immer schlimmer quälte mich der stechende Schmerz, immer häufiger trat er auf. Ich schob die Beschwerden auf die starke körperliche Beanspruchung - schließlich befanden wir uns mitten im Hausbau. Ich dachte an die Bandscheibe oder ähnliches?"
Eine typische Einschätzung, wie sie viele Männer vornehmen, wenn sie ähnliche Schmerzen verspüren. Ganz klar: Wer denkt denn auch gleich ans Schlimmste? Erst auf Drängen seiner Frau ging Rudi L. schließlich zum Arzt. Die erschütternde Diagnose: Hodenkrebs. Die Folge: Der rechte Hoden wurde ihm operativ entfernt. "Ich hatte große Angst zu sterben", erinnert sich Rudi L. an die schlimmste Zeit seines Lebens. "Die Tage nach der Operation waren grausam. Erst nach zwei Wochen erfuhr ich, dass keine Chemotherapie gemacht werden muss. In dieser Zeit hielt ich jedes Husten oder Kratzen für ein schlechtes Omen. Diese tiefe, innere Angst frisst einen förmlich auf." Heute sagt er: "Ich habe den Krebs besiegt!" Denn gut sechs Jahre nach dem Ausbruch sind alle Nachsorgeuntersuchungen gut verlaufen. Doch als geheilt gilt er noch lange nicht: Die Angst vor einem neuen Ausbruch bleibt.
Nichts ist schlimmer, als nichts zu unternehmen
Hodenkrebs ist der häufigste bösartige Tumor bei Männern zwischen 20 und 40 Jahren. Prinzipiell können jedoch Männer jeden Alters daran erkranken. Pro Jahr kommen deutschlandweit etwa 4.300 neue Fälle hinzu. Wird der Krebs früh erkannt und behandelt, beträgt die Heilungschance fast 100 %. In späteren Stadien sinkt sie auf 50 %. Unbehandelt verläuft Hodenkrebs immer tödlich! Das beste Mittel dagegen ist der aufmerksame Umgang mit dem eigenen Körper. Bei einer regelmäßigen Selbstuntersuchung der Hoden fallen Veränderungen nämlich rechtzeitig auf.
Gut zu wissen: Selbstuntersuchung
- Führen Sie die Selbstuntersuchung nach dem Duschen oder Baden durch. Die Haut ist dann entspannt, und die Hoden lassen sich gut ertasten.
- Betasten Sie zunächst den Hodensack und die Hoden mit geöffneter Handfläche von unten, indem Sie die Hand leicht auf und ab bewegen. So bekommen Sie ein Gespür für Größe und Gewicht.
- Jeder Hoden sollte vorsichtig mit beiden Händen abgetastet werden. Dazu Zeige- und Mittelfinger unter den Hoden legen, den Daumen auf den Hoden. Nun den Hoden zwischen Daumen und Fingern hin und her rollen. So können Sie Unebenheiten oder Knoten leicht ertasten.
- Versuchen Sie den Nebenhoden zu finden. Er liegt dem Hoden zur Innenseite sichelförmig an und sollte nicht mit einem auffälligen Befund verwechselt werden. Typisch für einen auffälligen Befund ist meist ein schmerzloser Knoten am Hoden selbst.
- Schauen Sie zum Schluss vor einem Spiegel, ob Ihnen eine ungewöhnliche Schwellung im Bereich des Hodensacks auffällt.
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