Warum steigen die Krankenkassenbeiträge allgemein immer weiter an?
Die gute Nachricht zuerst: so lange wie es uns möglich ist, wird die BKK Dr. Oetker den Beitragssatz stabil halten. Doch der allgemeine Trend steigender Krankenkassenbeiträge ist nicht wegzudeuteln - immer mehr Krankenkassen verkünden in diesen Tagen eine Erhöhung des Beitragssatz in 2007. Dies liegt nicht am schlechten Wirtschaften - denn im Wettbewerb achtet jede Kasse darauf, zusätzliche Belastungen für ihre Versicherten zu vermeiden und konkurrenzfähig zu bleiben. Doch woran liegt es dann, dass die Beiträge der Krankenkassen weiter steigen? Die Gründe liegen auf der Hand:
Die Mehrwertsteuer steigt auch bei Arzneimitteln
19 % Mehrwertsteuer - das trifft auch die Krankenkassen. Denn die Erhöhung der Mehrwertsteuer im kommenden Jahr macht leider auch vor Arzneimitteln nicht halt. Durch die Erhöhung von 3 % steigen die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung für Medikamente, Hilfsmittel und Fahrkosten um ca. 950 Mio. € nach oben. Viele andere europäische Länder erheben hierfür keine oder eine reduzierte Mehrwertsteuer.
Weniger Zuschüsse für Krankenkassen
Im kommenden Jahr erhalten die Krankenkassen deutlicher weniger Zuschüsse aus Steuermitteln. Statt 2,8 werden es dann wohl nur noch 2,5 Milliarden € sein. Andererseits leisten die Krankenkassen jedoch jährlich etwa 5 Milliarden Euro für Leistungen, die eigentlich Aufgabe des Staates sind wie beispielsweise bei Leistungen für Schwangere und junge Mütter, Haushaltshilfen oder das Kinder-Krankengeld.
Viele Reformen, wenig Wirkung
Seit Jahren verspricht die Politik den Krankenkassen finanzielle Entlastung und zwingt sie zur "Beitragsdisziplin". Doch grundlegende Reformen sind bislang ausgeblieben und die Wirkung fast aller Spargesetze schnell verpufft. Stattdessen weist der Gesetzgeber den Kassen immer mehr kostenintensive Aufgaben zu, wie zum Beispiel die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte.
Mehr Ausgaben
Gute medizinische Versorgung für 72 Millionen Menschen hat seinen Preis. Die Ausgaben für Medikamente, Ärzte, Zahnärzte und Kliniken steigen jedes Jahr. Das Gesetz für die wirtschaftliche Versorgung mit Arzneimitteln wirkt zwar, aber 2006 liegen die Ausgaben für Pillen und Pasten schon wieder höher als im Vorjahr.
Weniger Einnahmen
Die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen sind an das Arbeitseinkommen der Beschäftigten gekoppelt. Zudem hat der Gesetzgeber die Krankenkassenbeiträge für arbeitslose Versicherte weiter gekürzt. Von der Konjunkturerholung profitiert die gesetzliche Krankenversicherung erst dann, wenn die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zunimmt und auch die Löhne und Gehälter steigen.
Umverteilung
Seit 1995 haben die jeweiligen Bundesregierungen 17 Gesetze erlassen, die der gesetzlichen Krankenversicherung Gelder entzieht um damit Löcher in der Rentenversicherung oder bei der Bundesagentur für Arbeit zu stopfen.
